San Francisco mit kritischem Blick

San Francisco ist eine wunderschöne Stadt und wir hatten dort den tollsten Urlaub überhaupt. IMG_6778

Hier will ich aber mal Dinge aufzeigen, denen ich mich mit kritischem Blick nicht verschließen kann.

Positiv ist mir aufgefallen, dass versucht wird, Barrieren abzubauen. Die Stadt ist mit den steilen An- und Abstiegen zu Fuß eher für sportliche Leute geeignet, auch mit dem Fahrrad oder Rollstuhl sollte man Geschick und viel Puste haben. Einmal sah ich, dass es eine Empfehlung für einen rollstuhlgeeigneten Weg gab. IMG_6598Es gibt an allen Kreuzungen Blindenleitstreifen. Die Ampeln sind nur selten akustisch begleitet. Für die alten Straßenbahnen wurden an allen Haltestellen Rampen gebaut, um die Einstiegshöhe auszugleichen.IMG_0791 Der Fahrer muss dann noch manuell eine Metallplatte über die Lücke legen. Die Rollstuhlplätze sind nicht IMG_0649 (3)dauerhaft frei. Bei Bedarf werden die Sitze weggeklappt. Es gibt Anschnallgurte für den Rollstuhl und die Nutzer.  Auf den Fähren, die ich gesehen habe, gab es immer Plattformlifter und auf Alcatraz Elektromobile, die vorrangig RollstuhlnutzerInnen, aber auch sonst Menschen, die schlecht zu Fuß sind, zur Verfügung stehen. Im Gefängnis (Alcatraz) gibt es einen Fahrstuhl.

Sehr häufig habe ich bei unseren Ausflügen Angebote gehört oder gelesen, falls Assistenz benötigt würde… Da wir IMG_0622selbst nicht darauf angewiesen sind, ist mir sicher nur das positive Angebot aufgefallen und nicht, falls da etwas fehlte. Positiv fand ich auch ein Schild bei McDonalds für Assistenz bei Hör- oder Sprachschwierigkeiten.

Armut ist in San Francisco an allen Ecken zu sehen. Es gibt viele Obdachlose, viele Bettler. Mein Besuch bei „Street Sheet“ zum kollegialen Austausch bestätigte das. Unsere glückliche Zufallsbekanntschaft Jim erzählte von explodierenden Mietpreisen. Auch Sam, die Koordinatorin von Street Sheet erzählte davon als Grund für zunehmende ObdachlosigkeitIMG_6780IMG_6634

Die Straßenzeitung hat alle 2 Wochen eine Auflage von 15.000!

Die werden kostenlos abgegeben. Insges. 240 VerkäuferInnen (davon 70 ganz aktiv) verkaufen die für 2 Dollar. Die zusätzlichen Spenden können 10-20 Dollar sein. Es gibt keine festen Verkaufsplätze und die VerkäuferInnen halten ihre auch lieber geheim.

Es gibt keine staatlichen Zuschüsse. Das wollen sie auch nicht, da sie politisch gegen die Wohnungslosigkeit und damit gegen die Politik der Regierung kämpfen. IMG_0634Street Sheet ist ein kleiner Teil einer großen Organisation für Obdachlose. Man finanziert sich komplett aus Spenden. Klares Statement war auch an der Eingangstür zu lesen.

Mieten sind ein ganz großes Problem. Durch den nahen Technologie Standort Silicon Valley suchen viele gut ausgebildete und gut verdienende Menschen eine Wohnung in San Francisco. Bei alten Mietverträgen ist gesetzlich eine Mietsteigerung von 1,5% geregelt. Bei Neuvermietungen nimmt man, soviel man kriegen kann. So erzählte uns Jim, dass er seit über 40 Jahren eine 4-Zimmer Wohnung in einem schönen viktorianischem Haus bewohnt. Die Miete liegt bei 700 Dollar.

Eine fast gleiche Wohnung in dem Haus wird inzwischen für 7.000 Dollar vermietet. Das kann man sich selbst bei gutem Verdienst nicht leisten, sodass diese Wohnung von 5 gut verdienende Frauen gemeinsam bewohnt wird. Der Wohnungsmarkt ist so dramatisch, dass es vorkommt, dass Lehrer oder Feuerwehrleute im Auto schlafen. Bei Glück haben sie noch eine Wohnung, die 2-3 Autostunden entfernt liegt.

Positiv fand ich den ÖPNV. Cable car ist eher für Touristen eine Attraktion, weil deutlich teurer. Mit 2,50 Dollar sind aber Bus- und Bahnfahrten etwas günstiger als in Bremen. Das Straßenbahnnetz ist gut ausgebaut. Auf einer IMG_6781Strecke fahren sehr alte Bahnen (ab 1937), die als Touristenattraktion extra angekauft wurden, zum gleichen Preis. Es gibt auch Elektrobusse, die an den Stromabnehmern der Straßenbahn angedockt sind.

Es gibt natürlich viel Verpackung. Der Togo Becher ist aber meistens aus Pappe. Beim einkaufen wird man immer gefragt, ob man eine Tüte möchte. Wenn ja, sind das stabile Papiertüten.

Über Donald Trump wollte in SF niemand so richtig sprechen. Einer sagte: „Hier in San Francisco mag ihn niemand!“ Ein anderer hatte sehr heftige Bezeichnungen für ihn.

 

Der Straßenverkehr erschien uns viel, aber relaxed (liegt vielleicht an der eigenen Entspanntheit im Urlaub). Es gibt viele Stoppschilder, die tatsächlich beachtet werden. An Kreuzungen hat man sich dann gegenseitig zu verständigen. Für Fußgänger wird immer gehalten. Es gibt viele sehr große Autos, aber weniger als ich erwartet hätte.

Die Fotos zum Holocaust Gedenken lasse ich unkommentiert. Die sprechen für sichIMG_6700IMG_6701IMG_6698

 

 

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