Gute Beispiele für inklusive Beschulung

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Moderator Robert Benckert im Interview mit Marianne Nehrkorn von der Erich Kästner Schule, Hamburg

Zur 14. Bremer Bildungsmatinee hatte der Verein „Eine Schule für Alle Bremen“ am 15. Februar VertreterInnen von 2 inklusiven Schulen eingeladen.

Von der Erich Kästner Schule Hamburg war Marianne Nehrkorn angereist. Der Weg von der Gesamtschule Mitte, Bremen, Standort Brokstr. war nicht so weit und deshalb mit Frauke Schwagereit, Detlev Naujocks, Reemt Janssen dreifach vertreten.

 

Erich Kästner Schule               

Marianne Nehrkorn erzählte von den Anfängen der integrativen Beschulung vor 5 Jahren. Bei einem Abstimmungsergebnis von nur 1 Stimme Mehrheit entschied sich das rd. 120 köpfige Kollegium für die integrative Beschulung.

Was hinterher zählt, sind nun mal Statistiken. So erreichen 3 von 5 als „lernbehindert“ eingestuften Kindern den Hauptschulabschluss. Nur 7% der Kinder kommen mit einer gymnasialen Empfehlung, aber 37% schaffen die Versetzung in die Gymnasiale Oberstufe und von denen schaffen 92 % das Abitur. Diese Zahlen sprechen eigentlich schon für sich.

Mich hat aber am meisten beeindruckt, dass den Kindern Freiraum und Selbstbestimmung gelassen wird. Alle SchülerInnen lernen auf ihrem eigenen Lernniveau. Dabei können sie wählen, ob sie an einer Aufgabe allein, zu zweit oder in Gruppen arbeiten.

Große Beachtung rief der sogen. Prismaraum hervor. Hier gibt es besondere Materialien, die das Lernen anders erfahrbar machen. Von den LehrerInnen wird ein Kind zur besonderen Förderung angemeldet. Dabei richtet sich diese Förderung an alle Kinder. Das Material ist so vielfältig, dass es Angebote für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ebenso wie für hochbegabte Kinder gibt. Wie wir in einem Filmbeitrag sehen konnten, macht es den Kindern Spaß im Prismaraum. Sie sind hochmotiviert und lernen Inhalte und Fähigkeiten, zu denen theoretischer Unterricht nicht immer oder nicht bei jedem Kind in der Lage ist.

 

Gesamtschule Mitte, Bremen

Erst seit diesem Schuljahr werden am Standort Brokstr. auch W+E (sogen. geistig behinderte)Kinder beschult. Aufgefallen ist mir die Schilderung des Sonderpädagogen Reemt Janssen, dass er sich nicht nur für die Förderkinder verantwortlich fühlt, sondern für alle Kinder und das sei auch bei den „Regel“lehrerInnen so. Hier ist ein großer Entwicklungsschritt zu der kooperativen Beschulung zu sehen. Das Manko an der Kooperation waren die getrennten Verantwortungen. Hier müssen auch noch einige Schulen, die sich aus der Kooperation zur Inklusion entwickelt haben, weiter zusammenwachsen.

Zurück zum Bericht der GSM. Das Besondere- mich begeistert das- es wird jahrgangsübergreifend in den Klassen 5-7 und 8-10 gearbeitet.

Zur Vorbereitung traf sich das komplette Team für ein Wochenende und benannte auch offen die Ängste und Sorgen. Es wurde Kontakt mit den Grundschulen aufgenommen, von denen die SchülerInnen kamen. Die Projekte wurden so aufbereitet, dass jedes Thema auf verschiedene Arten erfahrbar wurde. Insbesondere wurde auf eine einfachere Sprache geachtet. Aus dem 1. Projekt nahm man die Erfahrung mit, dass es zu textlastig war. Diese Erkenntnis floss direkt in die Vorbereitung zum nächsten Projekt ein.

In Lernbüros arbeiten Kinder aus den Klassen 5-7 gemeinsam selbständig. Die Vorgabe ist, dass je 2x pro Woche Mathe, Englisch und Deutsch dabei sein müssen. Hier fand ich es erleichternd zu hören, dass auch mal davon abgewichen werden kann und flexibel auf besondere Bedürfnisse des einzelnen Kindes eingegangen wird. Ganz wichtig: Jedes Kind arbeitet an seinem persönlichen nächsten Entwicklungsschritt. Niemand wird abgehängt, weil er langsamer lernt, krank war oder gerade andere Probleme zu bewältigen hat.

Die GSM bildet keine Schwerpunktklassen mit Förderkindern, wie man sie aus den meisten Oberschulen kennt.

Das Publikum war von den Vorträgen und der anschließenden Fragerunde spürbar begeistert.   Schulen, die Mut haben und gleichzeitig Mut machen, die nicht alles richtig machen und das auch nicht behaupten, die aber eine Vision haben wie Inklusion funktionieren kann und daran arbeiten                 –auf Augenhöhe mit allen Beteiligten.

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