Beschwerdebrief an das Krankenhaus

Die schlechte Versorgung von Christian im Krankenhaus hat letztlich zu seinem Tod geführt. Nach dem Aufenthalt, bei dem er sich eine Lungenentzündung holte, schrieb ich einen Brief an das Krankenhaus. Als Reaktion rief mich ein Mitarbeiter des Qualitätsmanagement an – 2 Tage nachdem Christian an einer erneuten Lungenentzündung (Drehtüreffekt) gestorben war. Es war dennoch ein gutes, konstruktives Gespräch und ich bekam eine weitere, ausführliche schriftliche Antwort am 26.2.2014. Dazu schreibe ich später.

Hier erstmal mein Beschwerdebrief vom 16.1.2014:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 11.12.13 wurde mein Sohn Christian Kettler mit einem Oberschenkelhalsbruch in der Unfallambulanz zur Abklärung der weiteren Behandlung aufgenommen. Die Betreuung durch das Röntgenteam und den Chirurgen, sowie die Organisation z.B. durch den Bettenmanager waren ausgezeichnet. Da mein Sohn schwerbehindert ist, wurde ihm ein Einzelzimmer mit barrierefreiem Bad zugewiesen und mir die gleichzeitige Aufnahme angeboten. Da er 21 Jahre alt ist, sicher keine Selbstverständlichkeit. Allerdings habe ich die Aufnahme abgelehnt. Da die Pflege meine Kräfte übersteigt, wohnt er seit kurzem in einer Wohneinrichtung für behinderte Menschen. So fühlte ich mich auch im Krankenhaus weder für die Pflege zuständig, noch dazu in der Lage. Vielmehr begleite ich ihn als Vermittlerin für seine mangelnde Kommunikationsmöglichkeit.

Die OP verlief gut und man gestattete mir, im Aufwachraum dabei zu sein.

Soweit meine positiven Erfahrungen mit einem Krankenhausaufenthalt, der erstmalig nicht in der Kinderklinik stattfand.

Die pflegerische Versorgung während des weiteren Aufenthalts kann hingegen nur als mangelhaft bezeichnet werden.

Während der OP kam es zu mehreren Druckstellen. Die schlimmste am Ellenbogen, wie hier im Foto zu sehen ist

Das Risiko war mir bekannt. Als Therapie sollte die Stelle frei gelagert werden. Das wurde vom Pflegepersonal mehrfachfach missachtet, aus Unkenntnis über die vorhandenen Druckstellen. Das würde ich dem Zeitmangel bei den Übergaben zuschreiben.

In den nächsten Tagen wollte ich gerne die Versorgung an die Pflegekräfte abgeben und habe das eingefordert, z. B. habe ich den Umgang mit der Ernährungspumpe erklärt, da dieses Modell niemandem bekannt war. Am folgenden Tag kam ich ca. gegen 10.00 Uhr in die Klinik und musste feststellen, dass die erste Mahlzeit, die 4 Stunden zuvor sondiert werden sollte, ausgefallen war, was man sehr bedauerte, es wurde einfach nicht geschafft. Medikamente waren hingegen verabreicht worden – auf nüchternen Magen. Das darf wegen der Neigung zu Magengeschwüren nicht erfolgen, wie ich auch angegeben hatte. Kenntnis über die Halbwertzeit bei Antiepileptika habe ich vorausgesetzt. Auch hier musste ich mehrfach die zeitgerechte Gabe mehrfach anmahnen.

Wegen fehlender Eigenbewegung muss mein Sohn regelmäßig umgelagert und mobilisiert werden. Die Mobilisierung durch Physiotherapeuten konnte nicht erfolgen, da es Wochenende war. So kam es denn auch zu einer vermeidbaren Lungenentzündung.

Meine Beschwerde bei der diensthabenden Ärztin führte zu Überlegungen, ihn wegen des besseren Personalschlüssels, entweder in die Kinderklinik oder auf die Intensivstation zu verlegen. Beides ist nicht wirklich notwendig, vielmehr muss sich Pflege an den Bedürfnissen ausrichten. Wenn Patienten mit Pflegestufe, wie im Fall meines Sohnes PS3 aufgenommen werden, ist damit der Bedarf an Grundpflege von 5 Stunden täglich attestiert.

So ist es vollkommen unmöglich, dieses mit dem ohnehin schon knapp bemessenen Personal zufriedenstellend zu versorgen. Diese mangelnde Versorgung und daraus resultierende Lungenentzündung hätte bei meinem Sohn leicht zum Tode führen können.

So habe ich am 18.12. fluchtartig das Krankenhaus mit meinem kranken Sohn verlassen um ihn vor weiterem Schaden zu bewahren.

Die gemachten Erfahrungen veranlassen mich, nach Ihrem Konzept zur Versorgung von schwer pflegebedürftigen Patienten zu fragen. Die geschilderten Vorkommnisse lassen sich nicht auf der Rückmeldekarte für den Servicebereich Prozess- und Qualitätsmanagement zusammenfassen. Eine Bearbeitung im Beschwerdemanagement ist sicher sinnvoll und ich bitte um Rückmeldung, welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

 

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