Ein bisschen Würde

Meine hauptamtliche Tätigkeit bei der Zeitschrift der Straße ist beendet. Viele Begegnungen haben mich tief berührt. In den letzten 2 Jahren konnte ich zu einigen Verkäufern engen Kontakt aufbauen. Sie öffneten sich und erzählten von ihren Sorgen und Schwierigkeiten, dem Drogenkonsum, der Beschaffungskriminalität, den Gefängnisaufenthalten, aber auch von ihrer Kindheit. Wir alle wissen, dass Eltern ihre Kinder prägen. Ich muss mich beherrschen, nicht die Eltern zu verurteilen, die ihren Kindern keine Liebe entgegenbringen, sie vernachlässigen, teilweise misshandeln, ihnen den Zugang zu Alkohol und Drogen ermöglichen. Diese Eltern sind für mich anonym. Deshalb wäre leicht, über sie negativ zu urteilen, aber wahrscheinlich waren sie ebenso Opfer. Viele Dinge, die mir erzählt wurden, verdienten es, gehört oder gelesen zu werden, um zu verstehen, warum es für einige keine Alternative zu diesem Lebensweg gab. Deshalb habe ich vor einiger Zeit angefangen, Tagebuch zu führen: „Aus dem Alltag der Zeitschrift der Straße“. Selbst wenn ich die Namen abändere, wissen viele, um wen es sich handelt. Das Vertrauen, was mir entgegengebracht wurde, möchte ich nicht enttäuschen. Es gibt nicht viel, womit man seine Würde bewahren kann, wenn man ganz unten angekommen ist. Dieses bisschen Würde möchte ich niemandem nehmen und werde zu diesem Zeitpunkt keine Begebenheit veröffentlichen. Ich bedaure das sehr, denn die Begegnung mit Menschen, die alles verloren haben, bringt für jeden einen Perspektivwechsel.

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Gib dem Hungernden einen Fisch….

„Gib dem Hungernden einen Fisch und er wird für einen Tag satt. Gib ihm eine Angel und er wird nie mehr hungern.“
Dieses Lied haben wir früher auf Seminaren häufig gesungen. Zu der Zeit waren für mich Wohnungslose noch sehr weit weg.
In diesen Tagen kommt mir das Lied immer wieder in den Kopf. Es gibt so viele bedürftige Menschen in Bremen. Die Hilfsbereitschaft ist im Dezember sehr hoch. Es gibt diverse Weihnachtsessen von verschiedenen Einrichtungen. Auch privat organisierte Hilfe hat sich etabliert. Viele wollen mal eben ein paar süße Sachen möglichst selbst übergeben, um die strahlenden Augen zu sehen.
Alles gut gemeint und in dem Moment eine große Hilfe. Im Januar ebbt das wieder ab….
Aber nachhaltig ist das nicht.
Die Zeitschrift der Straße mag nicht die ganz große Angel sein und natürlich nicht mit einem soz.vers.pfl. Job zu vergleichen. Aber es ist ein Zwischenschritt. Unsere VerkäuferInnen müssen es schaffen, in der Öffnungszeit zu uns zu kommen. Sie müssen das Geld zusammen haben (1,20€ pro Zeitung) und so kalkulieren, dass sie nicht zu viel und nicht zu wenig einkaufen. Wenn sie auf der Straße erfolgreich, also freundlich und nicht zu aufdringlich sind, bekommen sie zu den 2,50€ Verkaufspreis auch ein Trinkgeld obendrauf.
Sie machen es sich nicht so einfach, mit einem ollen Pappbecher irgendwo hinzusetzen. Das alles ist schon eine Leistung, die man honorieren sollte.
Nun meinen es einige Leute gut und geben den VerkäuferInnen einfach so Geld, ohne die Zeitung zu kaufen. Ja es gibt auch die Schlawiner, die es darauf anlegen und sagen , es sei die letzte Zeitung.
Ich kann nur an alle appellieren, unbedingt immer eine Zeitung mitzunehmen. Es lohnt sich wirklich, die zu lesen! Haste schon? Verschenk sie an jemanden, der sie noch nicht hat/kennt.
Nur so kann man dieses Projekt erhalten. Wir können nur Zeitungen produzieren, wenn sie auch verkauft werden.

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Inklusion am Gymnasium oder „Eine Schule für Alle“

Gerade hat das Gymnasium Horn das Thema Inklusion beflügelt. Die Diskussion darüber ist an einem entscheidenden Punkt angekommen. Was bisher unterschwellig anklang, muss jetzt konkret angesprochen werden.

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Freud und Leid – dicht beieinander

Mir war von Anfang an klar, dass meine Arbeit bei der „Zeitschrift der Straße“ kein gewöhnlicher Job sein würde. Schon als ich ehrenamtlich im Vertriebsbüro anfing, war mir bewusst, dass die Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz die größte Herausforderung ist.

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Ende der Trauergruppe- ein Rückblick

Ende 2017 habe ich die Trauergruppe in der Borgfelder Gemeinde nach fast 3 Jahren beendet. Zeit für einen Rückblick.

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Deutscher Bürgerpreis für die Zeitschrift der Straße

Nachdem wir im Oktober bereits den regionalen Bürgerpreis entgegen nehmen konnten, durften wir jetzt nach Berlin reisen. Zunächst wussten wir nur, dass wir zu den 3 Nominierten gehören.

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